Das Wort „Dunkelflaute“ klingt auf den ersten Blick alarmierend, und Gegner erneuerbarer Energien nutzen es oft, um Ängste zu schüren. Doch wie berechtigt ist die Aussage, dass Dunkelflauten die Effizienz oder gar die Zukunftsfähigkeit erneuerbarer Energien ernsthaft infrage stellen?

Dunkelflaute: Ausnahmezustand oder Panikmache?
Das Wort „Dunkelflaute“ klingt auf den ersten Blick alarmierend, und Gegner erneuerbarer Energien nutzen es oft, um Ängste zu schüren. Doch wie berechtigt ist die Aussage, dass Dunkelflauten die Effizienz oder gar die Zukunftsfähigkeit erneuerbarer Energien ernsthaft infrage stellen?
Erfahren Sie in diesem Artikel mehr über die Häufigkeit solcher Ereignisse, ihre tatsächlichen Einflüsse auf die Strompreise und welche Maßnahmen getroffen werden können, um mögliche Folgen zu minimieren – und warum Dunkelflauten die Energiewende keineswegs „gefährden“.
Eine Dunkelflaute: Definition
Eine Dunkelflaute bezeichnet eine zeitliche Periode, in der die Einspeisung aus Wind- und Solarkraftanlagen so gering ist, dass sie kaum zur Deckung des Energiebedarfs beiträgt – in der Regel sprechen wir hier von weniger als 10 % der installierten Leistung. Anders ausgedrückt: Es sind diese „unglücklichen Tage“, an denen weder die Sonne scheint noch der Wind weht, und unser Energiesystem plötzlich auf fossile oder gespeicherte Reserven angewiesen ist.
Aber wie oft treten Dunkelflauten wirklich auf?
Im Jahr 2024 gab es insgesamt zwei signifikante Ereignisse: im November und im Dezember.
Im November 2024 erreichte die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien einen absoluten Tiefpunkt am 6. November. Der bundesweite Stromverbrauch lag bei 66 Gigawatt, während die Einspeisung von Wind- und Solarenergie zusammen lediglich 100 Megawatt betrug – das entspricht nur 0,15 % des Bedarfs. Diese extreme Diskrepanz führte zu einem deutlichen Anstieg der EEX-Spotpreise, die an diesem Tag bis zu 820 €/MWh erreichten.
Nicht einmal einen Monat später, am 11. Dezember 2024, trat eine weitere, kürzere Dunkelflaute auf. An diesem Tag fiel die Einspeisung erneuerbarer Energien erneut drastisch, während die EEX-Spotpreise auf bis zu 808,58 €/MWh stiegen.
Dunkelflauten – wie erschreckend sind sie wirklich?
Ja, wie bereits besprochen, haben Dunkelflauten deutliche Auswirkungen auf die Strompreise, die in diesen Phasen schmerzhaft hoch sein können. Doch man sollte nicht vergessen, dass das Gegenteil ebenfalls vorkommt: In den Sommermonaten scheint die Sonne oft so intensiv, dass die Preise aufgrund der hohen Einspeisung erneuerbarer Energien sogar in den negativen Bereich fallen. Trotz dieser Schwankungen kam es zu keinen flächendeckenden Stromausfällen.
Warum steigen die Preise bei einer Dunkelflaute?
Der Hauptgrund für die hohen Preise liegt in der kurzfristigen Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage. Wenn weder Wind noch Sonne ausreichend Energie liefern, müssen fossile Kraftwerke einspringen. Diese dienen als Reservekapazitäten, sind jedoch teuer, da sie flexibel hochgefahren werden müssen. Dazu kommen oft Importe aus Nachbarländern, die zu einem höheren Marktpreis erfolgen. Die fehlende Planbarkeit solcher Phasen treibt zusätzlich die Kosten, da die Regelung des Stromnetzes unter diesen Bedingungen besonders aufwendig ist.
Einfluss auf Endverbraucher und Haushaltskunden
Für Haushaltskunden sind die Auswirkungen einer Dunkelflaute jedoch in der Regel kaum spürbar. Obwohl die Großhandelspreise steigen, werden diese nicht unmittelbar und in voller Höhe an private Verbraucher weitergegeben. Zudem war das Stromnetz trotz der Herausforderungen stabil, und es kam zu keinen flächendeckenden Stromausfällen.
Ist es fair, erneuerbare Energien wegen Dunkelflauten infrage zu stellen?
Absolut nicht. Dunkelflauten sind Ausnahmen und keine Regel: Im Jahr 2024 dauerten diese Ereignisse nur ein paar Tage. In der restlichen Zeit lieferten erneuerbare Energien zuverlässig Strom – und deckten in vielen Monaten mehr als 59 % des gesamten Strombedarfs in Deutschland. Es wäre weder sinnvoll noch gerechtfertigt, den Ausbau erneuerbarer Energien wegen weniger kritischer Tage im Jahr zu verlangsamen oder infrage zu stellen.
Lösungen für die Zukunft
Die Lösung für solche Ausnahmen liegt in einem verbesserten Management des Energiesystems: moderne Speichertechnologien wie Batteriespeicher oder Wasserstoffanlagen, smarte Stromnetze und ein besser vernetzter europäischer Strommarkt. Wetterunabhängige Quellen wie Biomasse und Wasserkraft können dabei als Rückgrat des Systems dienen.
Fazit: Keine Panik vor der Dunkelflaute
Dunkelflauten sind zwar eine Herausforderung, doch sie sind selten und lassen sich mit einem gut ausgebauten, intelligenten Energiesystem bewältigen. Die Energiewende hat bereits bewiesen, dass sie funktioniert, und mit neuen Technologien wird sie immer effizienter. Es ist wichtig, sich auf die Vorteile erneuerbarer Energien zu konzentrieren, anstatt sie aufgrund seltener Einzelfälle infrage zu stellen – denn sie sind der Schlüssel zu einer nachhaltigen und klimafreundlichen Energieversorgung.